Das STAPS Institut ist bekannt für die Trainingsbetreuung und professionelle Leistungsdiagnostik von Hochleistungssportlern und ambitionierten Hobbysportlern. TeamVision arbeitet seit seiner Gründung auf partnerschaftlicher Ebene mit STAPS zusammen. Für unseren Blog -Perspektiven für den Radsport-, spricht Geschäftsführer Björn Geesmann über Chancen und Perspektiven moderner Trainingswissenschaft.

Was kann spezifisches Training im professionellen Radsport leisten, wo ist der Unterschied zum Training vor zehn Jahren?

Für mich gibt es im Vergleich des Training von vor 10 Jahren zu heute zwei ganz entscheidende Aspekte, die sich deutlich unterscheiden: Wo früher noch der Umfang und das „viel-hilft-viel-Prinzip“ im Vordergrund stand, hat man heute verstanden, dass es weniger um die Quantität als vielmehr um die Qualität im Training geht. Der Profi fährt nicht mehr einfach blind drauf los, sondern sollte idealerweise für jede Minute im Training einen Plan haben und den Hintergrund des Trainings (mit seinem Trainer) durchdacht haben. Moderne Diagnostikmethoden, das Training mit einem Leistungsmesser etc. sind Dinge, die die Qualität im Training um ein Vielfaches angehoben haben.

Der zweite entscheidende Unterschied sind für mich Dinge, die gar nicht in erster Linie das Radfahren selber betreffen, sondern die Dinge, die um die Trainingseinheit herum wichtig sind: Das Ernährungsverhalten ist bedeutend professioneller geworden, statt bergeweise Nudeln zu essen, hat man heute verstanden, wie die optimale Ernährung mit all seinen Facetten für einen Radfahrer aussehen sollte. Die Methoden zur Regeneration sind deutlich verbessert (physiotherapeutische Maßnahmen, Nahrungsergänzungsmittel, Kälte-Applikationen, etc.) worden und lassen qualitativeres Training zu, etc.

Wie hilft modernes Training in Richtung Anti-Doping?

Durch moderne Methoden im Training, in der Leistungsdiagnostik etc. und auch dem positivem Einfluss aus der Wissenschaft, gibt es heute die Möglichkeit viele Fragen zu beantworten und den Sportler ideal zu betreuen – anders, als es noch vor 10 Jahren der Fall war. Und meines Erachtens führen Unsicherheiten am ehesten dazu, dass der Sportler (und vermutlich auch das Team) keinen anderen Ausweg sieht, als zu verbotenen Substanzen zu greifen.

Daher ist das beste Mittel im Kampf gegen Doping sicherlich die Aufklärung – nicht nur zum Doping selber, sondern auch zu allen anderen Fragen, die den Sport betreffen und die sich mit dem heutigen Wissen optimieren lassen.

Was leistet STAPS?

Bei STAPS kümmern wir uns um alle entscheidenden Dinge rund um das Training des Radsportlers. Mit unserer einzigartigen Methodik der Leistungsdiagnostik, die wir vor 10 Jahren an der Deutschen Sporthochschule in Köln entwickelt haben, erfassen wir nicht nur den aktuellen Leistungsstand des Sportlers, sondern schaffen uns vor allem ein genaues Bild über die Physiologie die hinter der Leistungsfähigkeit steckt. Dadurch können wir im aufbauenden Training exakt an den individuellen Baustellen des Sportlers arbeiten und arbeiten dadurch effektiv, effizient und vor allem erfolgreich.

Da wir ein Team aus Sportwissenschaftlern sind, arbeiten wir immer nah an der Wissenschaft und verknüpfen diese mit der täglichen Trainingspraxis. So können wir dem Sportler Antworten auf alle Fragen rund um das Training, die Ernährung, die Position und Aerodynamik etc. geben und so die Sportler bestmöglich auf ihrem Weg zum Erfolg begleiten.

Worin liegt der Unterschied zwischen Trainingsprozessen im Hobbysport und im Hochleistungssport?

Der Unterschied zwischen Hobby- und Hochleistungssportlern ist im Training natürlich groß. Der Hochleistungssportler besitzt einen Trainingsumfang, der ca. das 3-fache von dem Hobbysportler ausmachen dürfte. Zudem hat der Profi-Sportler eine Rennbelastung, die meist horrend ist und vor allem mit vielen Reisen/ unterschiedlichen Klima- und Zeitzonen in Verbindung steht.

Der Hobbyfahrer hingegen besitzt äußere Einflüsse wie Beruf, Familie und „Alltagsleben“, die den Trainingsprozess beeinflussen. Aus eigener Erfahrung, die wir im STAPS Institut machen, ist es aber erstaunlicherweise so, dass viele Hobbysportler mittlerweile auch sehr viel Qualität in ihrem Training haben, die dem Profi-Sportler meist in nicht vielem nachsteht.

Wie entwickeln sich Trainingsprozesse im professionellen Radsport, wo liegt die Zukunft? Auch mit Blick auf Trainer wie Tim Kerrison von Sky, der seinen Ursprung im Schwimmsport hat.

Das Beispiel Tim Kerrison zeigt sehr positiv auf, dass der Radsport sich nicht nur für die Einflüsse anderer Sportarten, sondern auch der allgemeinen Sportwissenschaft öffnet. Es finden sich mittlerweile immer mehr Experten in den Profi-Teams, seien es Ernährungswissenschaftler, Physiologen oder eben Sportwissenschaftler aus anderen Disziplinen. Besonders positiv finde ich dabei die Entwicklung, dass sich der Radsport davon wegbewegt, zu glauben, dass Ex-Profis, die selber auch jahrelang auf dem Rad gesessen haben, fundierte Kenntnisse von Trainingsprozessen haben – das ist zumeist nicht der Fall. Für die Zukunft besitzt der Radsport auf jeden Fall das Potential noch spezifischer zu werden und noch mehr Experten in den einzelnen Teilbereichen ins Boot zu holen. Potential sehe ich bei der sportwissenschaftlichen Analyse des Sportlers, der Leistungsdiagnostik, bei diversen Trainingsmechanismen wie dem Höhentraining, aber auch bei der Ernährung in Training und Wettkampf und der Abstimmung zwischen Fahrer und Material, auch der Aerodynamik. Die Entwicklung dürfte einzigalleine eine Frage der Budgetierung der Teams sein.

Wie können Sportler bereits in der U23 von einem zielgerichteten und innovativem Training profitieren?

Innovatives und qualitatives Training kennt keine Altersgrenze. Je früher die Fahrer professionelle Unterstützung im Training bekommen, desto besser ist es. Spätestens in der U23 muss das Training allerdings bereits höchste Qualität besitzen, da in diesen Jahren die Entscheidung fällt, ob man den Sport in Zukunft professionell betreiben kann oder eben nicht.

Gerade in jungen Jahren halte ich die professionelle Unterstützung für wichtig, um gemeinsam mit dem Sportler den Weg in das Profileben zu gehen und ihm dabei Hilfestellungen rund um das Training zu geben und Unsicherheiten zu nehmen.

Entscheidend wird in diesen Jahren sein, dass der U23-Fahrer auch trainingstechnisch auf das Profileben vorbereitet wird und gewisse Reize gesetzt werden, die den Sprung von der U23 ins Profilager vereinfachen.